Eva Kranenburg, Freunde
Fischer Sauerländer
978-3-7373-7499-6, 18,90 €
Der Roman Freunde von Eva Kranenburg aus dem Jahr 2026 erzählt die Geschichte von vier Jugendlichen, die in den letzten Tagen eines Krieges eingezogen werden und gemeinsam ums Überleben kämpfen. Im Mittelpunkt stehen Tarek, Nata, Ren und der jüngere Tuk, die sich unter extremen Bedingungen kennenlernen. Als sie unzureichend ausgerüstet an die Front geschickt werden sollen, entschließen sie sich zur Flucht. Auf ihrem Weg wachsen sie zu einer engen Gemeinschaft zusammen, werden einander zur Familie und müssen sich immer wieder schwierigen moralischen Fragen stellen.
Die Figuren sind sorgfältig ausgearbeitet und wirken bemerkenswert realistisch. Gerade diese Glaubwürdigkeit macht einen großen Teil der Wirkung des Buches aus, da ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Besonders interessant ist, wie unterschiedlich die Jugendlichen mit ihren traumatischen Erlebnissen umgehen. An manchen Stellen hätte man sich jedoch eine stärkere Präsenz einzelner Charaktere gewünscht, insbesondere von Tarek, der im Vergleich zu den anderen etwas im Hintergrund bleibt. Auch die persönlichen Hintergründe werden nur angedeutet, obwohl hier Potenzial für mehr Tiefe vorhanden gewesen wäre.
Die Handlung ist insgesamt schlüssig und verständlich aufgebaut. Einzelne Passagen wirken etwas langsamer, tragen jedoch zur Entwicklung der Figuren bei. Die Liebesgeschichte fügt sich stimmig in die Handlung ein und wirkt nicht aufgesetzt. Der Schreibstil ist klar und gut zugänglich, wodurch das Buch besonders für Jugendliche geeignet ist.
Besonders gut gefallen hat mir die Darstellung des Erwachsenwerdens. Man merkt deutlich, dass die Figuren noch unsicher sind, vor allem im Umgang mit ihren Gefühlen. So ist es sehr berührend zu beobachten, wie Ren sich lange nicht traut, Nata seine Gefühle zu gestehen. Kleine Details, wie dass seine Hand kribbelt, wenn er sie berührt, machen diese Entwicklung besonders authentisch. Diese ruhigen, emotionalen Momente bilden einen starken Kontrast zu den harten Kriegserfahrungen und verstärken die Wirkung der Geschichte.
Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen und ich würde ihn weiterempfehlen, allerdings nicht uneingeschränkt. Aufgrund der Themen wie Krieg, Gewalt und traumatische Erlebnisse ist das Buch eher für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren geeignet.