Contor-Buchtipp

Röthlisberger/Gugger, Die fabelhafte Geschichte von Leopold, der schweben konnte

Simon Röthlisberger / Rebecca Gugger, Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte

NordSüd Bilderbuch, 978-3-314-10778-8, 18 €, erscheint am 12.August 2026

Herr Leopold kann seit seiner Geburt schweben. Deshalb ist er anders als die anderen Menschen. Er versucht am Boden zu bleiben und sich anzupassen. Dabei fühlt er sich aber nicht mehr glücklich. Später im Leben trifft er Mathilda, die ebenfalls schweben kann.

Das Buch handelt vom Anderssein, vom Loslassen und davon, sich selbst treu zu bleiben. Herr Leopold ist eine freundliche Figur, deren Gefühle gut nachvollziehbar sind. Die Geschichte ist gut verständlich und die Bilder sind besonders schön gestaltet.

Mit haben die fantasievollen Illustrationen und die Botschaft des Buches sehr gut gefallen. Ich empfehle es vor allem Kindern ab 5 Jahren, die sich gerne besondere und nachdenkliche Geschichten vorlesen lassen.

Praktikantin Bayan Rahmeh, 15 Jahre

Andreas Langer, Erde 13 – Aufbruch ins Ungewisse

Andreas Langer, Erde 13 – Aufbruch ins Ungewisse

Ueberreuter Verlag, ISBN 978-3-7641-5316-8, 15 €, ab 10 Jahren

Sollten wir tatsächlich auf einer 2., 3.  oder gar 13. Erde leben können? Levi und Gwen gehören zu den wenigen Auserwählten, die an einer Expedition zum Planeten Erde 13 teilnehmen dürfen. Nach dem Flug, der 92 Jahre dauerte, werden sie an Bord des Raumschiffs von Androiden aus dem Kälteschlaf geweckt. Allerdings gab es bei der Landung heftige Probleme: Ihre Kapsel wird vom Raumschiff getrennt, wodurch sie nun ohne ihre umfangreiche Ausrüstung in einer völlig fremden Welt klarkommen müssen. Werden sie Essbares finden, ist das purpurne Wasser genießbar oder giftig und handelt es sich bei den unbekannten Wesen, denen sie begegnen, eigentlich um Pflanzen oder Tiere?

Mit viel Fantasie zeigt Andreas Langer eine fremde, denkbare Welt, die nicht nur bedrohlich ist, sondern auch ihre eigene Schönheit entfaltet. Er fordert von Levi, Gwen und den anderen Figuren viel Offenheit, um sich auf Neues einzulassen. Unglaublich spannend macht das Ende mit seinen nicht restlos gelösten Rätseln schon Lust auf den zweiten Band, der in diesem Sommer erscheinen wird.

Sabine Gahde

Svenja Leiber, Nelka

Svenja Leiber, Nelka

Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-43276-1, 24 €

1941 in Lemberg von der Straße weg von deutschen Soldaten verschleppt, muss die 16jährige Nelka auf einem norddeutschen Gut schwerste Arbeiten verrichten. Der Zusammenhalt unter den Frauen ist der einzige Hoffnungsschimmer in dieser von Hunger, Kälte und Angst vor Willkür und Brutalität geprägten Zeit.
Von Kindesbeinen an von ihrem Vater angeleitet, hilft ihr das Wissen um die Veredelung von Apfelbäumen lange Zeit, den zudringlichen Gutsverwalter auf Abstand zu halten. Nach dem Krieg wird dieser durch die von Nelka maßgeblich geplanten Plantagen wohlhabend, während sie in ihre zerstörte Heimat zurückkehrt. Jahrzehnte später reist sie zurück, um auf dem Hof den Verwalter mit ihrer Erinnerung zu konfrontieren und so zur Ruhe zu kommen.
Poetisch, ohne Schuldzuweisungen und ohne je sentimental zu werden verwebt Svenja Leiber unmenschliches Grauen auf der einen mit unbedingtem Lebenswillen auf der anderen Seite. Die klare, ja geradezu leichte Sprache macht diesen Roman zu einem berührenden Stück Erinnerungskultur. 

Barbara Burmeister

Maren Graf, Einfach Sunny

Maren Graf: Einfach Sunny

Thienemann Verlag, ISBN 978-3-522-18863-0, 15 €, ab 8 Jahren

Sunny, selbsternannte Sachen-Sucherin, trifft auf Ben, der etwas sehr Wichtiges verloren hat. Schon beginnt ihr kniffligster Fall! Mit allen Sinnen macht Sunny sich an die Arbeit, denn genau das ist ihre Superkraft: Sunny kann zwar nichts sehen, dafür aber herausragend gut hören, riechen und schmecken! Ben ist misstrauisch, doch er kann sich dem Enthusiasmus der jungen Detektivin nicht entziehen. Gemeinsam schlittern sie unaufhaltsam in eine spannende Verfolgungsjagd.

Doch was sucht Ben eigentlich und wieso möchte Felix, ein Junge aus der Schule, es vor ihnen finden? In ihren Ermittlungen stellen die Kinder fest, dass noch viel mehr Sachen verschwunden sind. Jetzt ist Sunny gefragt!

Dieses Buch ist etwas für alle frechen Spürnasen, die eine ganz besondere Heldin suchen – untermalt von wunderschönen, farbigen Illustrationen.

Laura Prochaska

Katrin Zipse, Moosland

Katrin Zipse: Moosland

DuMont Verlag, ISBN 978-3-7558-0071-2, 24 €

Frühjahr 1947, die Isländische Bauernpartei hat ledige deutsche junge Frauen aufgerufen, für ein Jahr nach Island zu kommen. Dort fehlen nach einer massiven Landflucht Arbeitskräfte und Frauen auf den Höfen. Auch Elsa kommt dort mit Ihrer Freundin Gerda an. Sie hat ihre gesamte Familie verloren und lebt sich nur langsam auf dem einsamen isländischen Hof ein.

Das Moosland selbst ist eine karge Landschaft ohne Wälder, die im Winter extrem kalt und abweisend ist, im Sommer aber ihre eigene bizarre Schönheit entfaltet. Nachdem einer der Söhne Island in Richtung Amerika verlässt, wird Elsa zur unentbehrlichen Arbeitskraft. Dies und die Zuneigung des anderen Sohnes helfen ihr, ihre Traumata nach und nach in den Griff zu bekommen.

Die Autorin vermag es auf wunderbare Weise, die Schönheit Islands – dieses Mooslandes – einzufangen und zeigt, wie schwere Traumata das Leben beeinflussen.

Sabine Gahde

Eva Kranenburg, Freunde

Eva Kranenburg, Freunde

Fischer Sauerländer

978-3-7373-7499-6, 18,90 €

Der Roman Freunde von Eva Kranenburg aus dem Jahr 2026 erzählt die Geschichte von vier Jugendlichen, die in den letzten Tagen eines Krieges eingezogen werden und gemeinsam ums Überleben kämpfen. Im Mittelpunkt stehen Tarek, Nata, Ren und der jüngere Tuk, die sich unter extremen Bedingungen kennenlernen. Als sie unzureichend ausgerüstet an die Front geschickt werden sollen, entschließen sie sich zur Flucht. Auf ihrem Weg wachsen sie zu einer engen Gemeinschaft zusammen, werden einander zur Familie und müssen sich immer wieder schwierigen moralischen Fragen stellen.

Die Figuren sind sorgfältig ausgearbeitet und wirken bemerkenswert realistisch. Gerade diese Glaubwürdigkeit macht einen großen Teil der Wirkung des Buches aus, da ihre Handlungen nachvollziehbar bleiben. Besonders interessant ist, wie unterschiedlich die Jugendlichen mit ihren traumatischen Erlebnissen umgehen. An manchen Stellen hätte man sich jedoch eine stärkere Präsenz einzelner Charaktere gewünscht, insbesondere von Tarek, der im Vergleich zu den anderen etwas im Hintergrund bleibt. Auch die persönlichen Hintergründe werden nur angedeutet, obwohl hier Potenzial für mehr Tiefe vorhanden gewesen wäre.

Die Handlung ist insgesamt schlüssig und verständlich aufgebaut. Einzelne Passagen wirken etwas langsamer, tragen jedoch zur Entwicklung der Figuren bei. Die Liebesgeschichte fügt sich stimmig in die Handlung ein und wirkt nicht aufgesetzt. Der Schreibstil ist klar und gut zugänglich, wodurch das Buch besonders für Jugendliche geeignet ist.

Besonders gut gefallen hat mir die Darstellung des Erwachsenwerdens. Man merkt deutlich, dass die Figuren noch unsicher sind, vor allem im Umgang mit ihren Gefühlen. So ist es sehr berührend zu beobachten, wie Ren sich lange nicht traut, Nata seine Gefühle zu gestehen. Kleine Details, wie dass seine Hand kribbelt, wenn er sie berührt, machen diese Entwicklung besonders authentisch. Diese ruhigen, emotionalen Momente bilden einen starken Kontrast zu den harten Kriegserfahrungen und verstärken die Wirkung der Geschichte.

Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen und ich würde ihn weiterempfehlen, allerdings nicht uneingeschränkt. Aufgrund der Themen wie Krieg, Gewalt und traumatische Erlebnisse ist das Buch eher für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren geeignet.

Sophie (Praktikantin)